„Jetzt geht es um die Vitali-sierung des Quartiers“

Katrin Lompscher, Senatorin für Stadt­entwicklung und Wohnen in Berlin, im Gespräch über das innerstädtische Großprojekt Europacity.
Frau Senatorin, haben Sie den Eindruck, dass die Europacity den Berlinerinnen, Berlinern und der Öffentlichkeit allgemein schon ein Begriff ist?

Das Interesse ist in jedem Fall deutlich gewachsen und auch die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist größer geworden. Ich beschäftige mich schon lange mit der Entwicklung Berlins, erst als Baustadträtin in Lichtenberg, ab 2012 in meiner früheren Funktion als stadtentwicklungspolitische Sprecherin der LINKEN im Abgeordnetenhaus und nunmehr seit 2016 als zuständige Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. Noch vor wenigen Jahren war das Thema Europacity vielen Bürgerinnen und Bürgern Berlins nicht präsent. Der Ort ihres Entstehens, die ehemalige Bahnbrache, war aus dem Gedächtnis der Stadt weitgehend verschwunden. Durch den Neubau des Hauptbahnhofs ist die Gegend zu einem zentralen Ort geworden. Die Europacity nimmt nun deutlich Gestalt an, beides hat Wirkung gezeigt.

Welches zentrale städtebauliche Anliegen wird aus Ihrer Sicht mit der Europacity verwirklicht?

Nach der Fertigstellung der U-Bahnlinie U 5 bis zum Hauptbahnhof und dem Bau der S-Bahnstrecke S 21 wird dieser Standort verkehrlich einer der am besten erschlossenen Orte der Berliner Innenstadt sein. Es war naheliegend, hier ein urbanes Stadtquartier zu errichten, das kompakt und gemischt konzipiert wird. Hier entsteht derzeit ein Ort der effizienten Wege und der reduzierten Flächennutzung, der den Anforderungen des nachhaltigen Bauens entspricht. In einem nächsten Schritt wird es nun darum gehen zu zeigen, dass nachhaltiges Bauen und ansprechende Architektur keine Gegensätze sind.

Wer sagt, dass sie das sind?

In der Öffentlichkeit wird von unterschiedlichen Stellen immer mal wieder die Kritik geäußert, dass in Berlin gleichförmig gebaut würde. Ich denke, im Fortschritt der Bauten in der Europacity wird sich diese Kritik relativieren. Für die Vorhaben, die jetzt vorbereitet werden oder schon im Bau sind, konnten über Wettbewerbe renommierte Architekten gewonnen werden. Ich habe daher die große Hoffnung, dass wir in der Europacity qualitätsvolle Architektur sehen werden. Nehmen Sie den Tour Total an der Invalidenstraße, hier ist schon heute ein wirklich interessanter Entwurf realisiert worden. Auch die Bauten, die hier in Zukunft entstehen, werden anziehend und abwechslungsreich sein.

Der nördlich der Invalidenstraße gelegene Teil des Europaplatzes wird eine Art Entree in die westliche Europacity darstellen. Noch ist er ein Abstellplatz für Busse, ein Provisorium. Welche Pläne gibt es zu seiner Gestaltung?

Der Platz ist in der Tat von großer Bedeutung. Ein Teil der Flächen gehört allerdings noch der Bahn, ein weiterer Teil ist als Baufläche vorgesehen. Für die Gestaltung des Platzes wird es einen freiraumplanerischen Wettbewerb geben. Ich gehe davon aus, dass es 2019 konkrete Gestaltungsideen für diesen Ort geben wird.

Da wir über Fristen sprechen: Wann soll die Uferpromenade am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal fertig­gestellt werden und wann wird die Brücke vom Weddinger Ufer zum Stadtplatz errichtet sein?

Sowohl die Brücke als auch die gesamte Uferpromenade sollen Ende 2019 eröffnet werden.  Es ist aber durchaus denkbar, dass Teile der Uferpromenade schon vorher realisiert werden können. Wenn hier noch angrenzend gebaut wird, muss das kein Nachteil sein. Die Berlinerinnen und Berliner sind ja sehr neugierig und schauen sich gerne an, was in ihrer Stadt entsteht. Auch wenn noch nicht alles ganz fertig ist.

Vom Quartier Heidestrasse soll nach Westen auch eine Brücke über die Bahngleise den Ortsteil Moabit mit der Lehrter Straße erschließen. Wie konkret ist hier die Planung?

Für die Brücke nach Moabit stehen mittels städtebaulichen Vertrags rund 5 Mio. Euro zur Verfügung. Allerdings muss zunächst die temporäre Planfeststellung für die S-Bahnlinie

S 21 freigegeben werden, über die sich die Brücke spannen wird. Erst wenn hier die nötigen Voraussetzungen geschaffen sind, beginnen wir mit der Planungsabstimmung. Das wird jedoch voraussichtlich nicht vor 2023 der Fall sein.

Der Masterplan wird umgesetzt, die Wettbewerbe sind abgeschlossen. Wie ist das Land Berlin derzeit noch in das Thema Europacity involviert?

Für uns geht es jetzt insbesondere darum, die öffentlichen Baumaßnahmen zu koordinieren – das betrifft neben den Brücken und Uferpromenaden die Wege und Plätze und natürlich die Heidestraße als Hauptverkehrsachse. In enger Abstimmung mit den Investoren arbeiten wir zudem daran, aus den vorliegenden Planungen nun tatsächlich ein lebendiges Stadtgebiet zu entwickeln. Da geht es, um ein Beispiel zu nennen, auch um die Erdgeschosse in den Gebäuden. Diese müssen so entwickelt werden, dass sie einen aktiven Beitrag zur Belebung des Quartiers leisten.