Kreatives Klima für Menschen und Unternehmen

Ramona Pop hat in Berlin Politikwissenschaft studiert und war von 2006 bis 2016 Fraktionsvorsitzende der Abgeordnetenhausfraktion von
Bündnis 90/Die Grünen. Seit Dezember 2016 ist sie Bürgermeisterin von Berlin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe.
Mit der Europacity entsteht auch ein modernes Geschäfts­zentrum mit internationaler Strahlkraft. Welche besonderen Qualitäten soll dieser Ort Ihrer Meinung nach haben?

Bei der Europacity handelt es sich um die größte innerstädtische Entwicklungsfläche in Berlin, ein Areal, das um ein Vielfaches größer ist als der Potsdamer Platz. Dies ist für die wachsende Stadt mit ihrem steigenden Bedarf an Flächen für Büros, Gewerbe und Wohnen von immenser Bedeutung. Entstehen wird hier eine urbane Mischung aus Arbeiten und Wohnen, von Einkaufen, Kunst, Kultur, Freizeit und Tourismus, also ein durchmischtes urbanes Quartier, das durch kurze Wege und gute Erreichbarkeit geprägt sein wird. Nachhaltigkeit spielt hierbei eine große Rolle. Das ist mir sehr wichtig und deshalb fördern wir auch gezielt mit Infrastrukturmitteln die Uferpromenade entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals, die im Süden an den KunstCampus und im Norden an den zukünftigen Nordhafenpark anschließt und später das grüne Rückgrat der Europacity bilden soll.

Wie wichtig ist die unmittelbare Nachbarschaft zum Regierungsviertel und zu großen Forschungsinstituten für den Erfolg?

Metropolen, und so auch Berlin, sind immer wichtige gesellschaftliche Knotenpunkte für Entscheiderinnen und Entscheider und gleichzeitig geeignete Plattformen für innovative Prozesse. Die räumliche Nähe zum Regierungsviertel, zur Humboldt- und zur Freien Universität sowie zu zahlreichen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen wird die gewerbliche Struktur der Europacity mitprägen. Neue Ideen entstehen immer dort, wo interessante Menschen eng beieinander sind, wo sie sich austauschen und mit ihren Ideen gegenseitig befruchten können. Das sehen wir heute schon an vielen Plätzen in der Stadt und dieses kreative Klima wird sich ebenso in der Europacity entwickeln, da bin ich mir sicher.

Welche Möglichkeiten sehen Sie als Wirtschaftssenatorin, um den Standort noch weiter voranzubringen?

Als Wirtschaftssenatorin arbeite ich tagtäglich daran, für den Standort Berlin zu werben. Wir bieten beste Rahmenbedingungen, vergleichsweise geringe Lebenshaltungskosten, die Nähe zu europäischen Märkten und ein einzigartiges Start-up-Ökosystem. Wir setzen Impulse für Innovation und bringen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Die Stadt entwickelt sich nach wie vor hoch dynamisch. Seit Jahren befindet sich Berlin beim Wirtschaftswachstum in der Spitzengruppe der Bundesländer. Von den bundesweiten VC-Investments in Start-ups entfallen mehr als die Hälfte auf die deutsche Hauptstadt. Mit rd. 40.000 Gründungen pro Jahr sind wir Start-up-Metropole. Junge, kreative Menschen wollen nach Berlin, weil sie hier ihre innovativen Geschäftsideen ausleben können und gleichzeitig die Freiheit und Offenheit, die die Stadt ihnen bietet, genießen können. Dieses besondere, kreative Flair wird sich auch in der Europacity widerspiegeln.

Wenn Sie sich die Stadt in 20 Jahren vorstellen, wie sehen Sie die Rolle der Europacity?

Mit der Europacity wird eine weitere Lücke, die durch die jahrzehntelange Teilung der Stadt entstanden ist, geschlossen. Die Stadt wächst und es ist unsere Aufgabe, dieses Wachstum so zu gestalten, dass es allen nutzt: Den Menschen, die hier leben, im gleichen Maße wie den Unternehmen, die hier wirtschaften. Was hier entsteht, ist in seiner Komplexität einzigartig und damit zukunftsweisend. In 20 Jahren wird die Europacity genauso wenig aus der Stadt wegzudenken sein wie heute der Potsdamer Platz.