Von innen betrachtet

Von innen betrachtet

Beim Spaziergang auf den neuen Wegen fügen sich die einzelnen Projekte zu einem organischen Ganzen.

Lange konnte man weite Teile der wachsenden Europacity nur von der zentralen Heidestraße aus bestaunen, denn Bauzäune blockierten den Weg in die einzelnen Quartiere. Östlich der Heidestraße sind inzwischen jedoch viele Absperrungen aufgehoben. Der Blick ins Innere ist nun vielerorts möglich. Die neuen ruhigen Straßen und gepflasterten Wege, die die einzelnen Ensembles und Quartiere mit der Heidestraße verbinden und nach innenerschließen, laden zum Flanieren ein. Was einst nur auf Plänen existierte, erhält somit eine für die Menschen erlebbare Dimension: Beim Spaziergang auf den neuen Straßen und Wegen, an Häusern, Autos und ersten Grünpflanzungen vorbei fügen sich die einzelnen Projekte für die Betrachter zu einem organischen Ganzen. Zugleich können sie sich mit ihren Schritten schon heute in das Gedächtnis dieses neuen Stadtteils einschreiben.

Neuland für Paketboten

Eine kleine Tour zu Fuß kann man gut an der Kieler Brücke (1) auf der östlichen Seite des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals mit Blick auf den Nordhafen beginnen. Überquert man
die Brücke, geht es geradewegs auf das neue Wohnviertel Wasserstadt Mitte (2) zu, das die Europacity nach Norden hin abschließt. In dieses Quartier ist bereits das normale Leben eingezogen. An einer ruhigen, gepflasterten Straße führen Bewohner und Bewohnerinnen
ihre Hunde aus, sie treffen sich zufällig vor der Tür und bleiben für ein Gespräch stehen, die Atmosphäre ist entspannt. Die Paketboten, die hier aus und ein gehen, finden sich von Tag zu Tag besser an der neuen städtischen Adresse zurecht. Keine zwei Minuten Fußweg sind es von hier zum südlich angrenzenden Otto-Weidt-Platz (3), der zentralen Piazza der Europacity. Zwar befinden sich sowohl der Platz als auch die Uferpromenade aktuell noch im Bau. Aber schon jetzt zeigt sich, dass die Promenade, die sich entlang des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals über die gesamte Länge der östlichen Europacity erstrecken wird, weit über ihre Erschließungsfunktion hinaus identitätsstiftend für den neuen Stadtteil sein wird.

Große Freitreppe, die den Platz zum Wasser hinunter öffnet. Eine neue Verbindung vom Ostufer des Kanals zum Otto-Weidt-Platz (der Golda-Meir-Steg)
Große Freitreppe, die den Platz zum Wasser hinunter öffnet. Eine neue Verbindung vom Ostufer des Kanals zum Otto-Weidt-Platz (der Golda-Meir-Steg)

Auch die großzügige Dimension des zentralen Quartiersplatzes lässt sich schon ermessen

Der Raum öffnet sich zum Wasser

Auch die großzügige Dimension des Otto-Weidt-Platzes kann man bereits ermessen. Kleine verschiedenfarbige Granitpflastersteine markieren den ersten Fußweg am Rand des Platzes. Bewohner schieben hier ihre Fahrräder zu den Hauseingängen und auch Besucher können den Weg erstmals erproben. Als Abschluss des Quartiersplatzes an der Heidestraße wächst das Bürogebäude Weidt Park Corner (4) heran. Mit seinem elfgeschossigen, zum Otto-Weidt-Platz ausgerichteten Turm, wird es ein weithin sichtbares Landmark der Europacity sein. Im Erdgeschoss, mit direkter Sicht auf den Stadtplatz, ist zudem eine Gastronomie mit großer Außenterrasse geplant. Eine neue, wichtige Verbindung vom Ostufer des Kanals zum
Otto-Weidt-Platz wird der „Golda-Meir-Steg“ schaffen, eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer, die das Zentrum der Europacity künftig mit dem Kiez an der Scharnhorststraße verbinden wird. Wo dieses leichte und filigrane Bauwerk auf den Otto-Weidt-Platz trifft, entsteht eine große Freitreppe (5), die den Platz zum Wasser hinunter öffnet. Die neu angelegten Stufen können Jogger und Spaziergänger vom anderen Kanalufer aus bereits
sehen. Nächste Station auf unserem Spaziergang vom Nordhafen zum Hauptbahnhof ist ein Wohngebäude mit dem Namen BUWOG THE ONE, dessen Bewohner den Blick auf den neuen Quartiersplatz genießen. Im Innenhof dieses Wohnblocks mit wechselnden Fassadentypologien steht ein Bewohner auf seinem Balkon. Der IT-Fachmann ist mit Frau und Kindern eingezogenen und er schätzt es, dass die Kleinen hier im Hof viel Raum zum Spielen haben. „Wir können im Quartier ganz entspannt sein und müssen nicht dauernd nach den Kindern schauen. Das erleichtert das Leben sehr.“ Neue Kontakte entstünden ganz von alleine:
„Einige der Nachbarn kennen wir schon, viele kommen aus ähnlichen Berufen und haben selber auch Kinder. Es ist praktisch, dass der Hof, die verschiedenen Gebäudeteile verbindet und der Weg so kurz ist, wenn man sich treffen will“, sagt er.

Schleichwege durch das Quartier

Weiter führt unser Weg durch ein Mischquartier aus Büro- und Wohngebäuden über einen öffentlich zugänglichen Innenhof weiter südwärts zum Platz zwischen dem Wohngebäude KunstCampus (6) und den Rieckhallen. Mit seinen Rasenflächen und jungen Birken ist er
eine kleine Oase der Ruhe. Am markanten 50-Hertz-Gebäude (7) vorbei erreicht man schließlich die Invalidenstraße und den neu bebauten Humboldthafen (8) am Hauptbahnhof. Um auf ähnliche Weise auf der anderen Seite der Heidestraße durch den westlichen Teil der Europacity zum Nordhafen zurückkehren zu können, wird man noch etwas warten müssen.
Aber schon bald wird man auch in diesem Teilgebiet über neu angelegte Straßen und Wege
in alle Himmelsrichtungen zum Ziel gelangen. Hier wächst das Quartier Heidestrasse bereits deutlich sichtbar heran. Von seinem südlichen Auftakt QH Spring wird künftig die George-Stephenson-Straße (9) zwischen dem gerade entstehenden 550 Meter langen Bürogebäude QH Track im Westen und der übrigen Bebauung nach Norden führen. Auf ihr werden die Angestellten der ansässigen Unternehmen und die Bewohner der Wohngebäude zwischen
dem urban gestalteten Stadtplatz des Quartier Heidestrasse, dem sogenannten Dreiecksplatz (10) im Süden, und dem als öffentliche Grünfläche gestalteten Platz, der das Quartier zum Nordhafen (11) hin abschließt, spazieren können.

Ruhiger Ort zum Entspannen: der Platz vor dem KunstCampus
Ruhiger Ort zum Entspannen: der Platz vor dem KunstCampus

Im Dezember eröffnet die neue U-Bahn-Verbindung
in den Berliner Osten

Neue Brücke, neue U-Bahn-Verbindung: Ankommen in der Europacity

Ebenso wichtig wie die fußläufigen Verbindungen zwischen den einzelnen Quartieren der Europacity ist ihre Anbindung an die Verkehrsnetze der Stadt. Zentraler Knotenpunkt hierfür
ist natürlich der Hauptbahnhof. Dort halten jedoch nicht nur Fernzüge und S-Bahn, sondern bald auch die verlängerte U-Bahn-Linie 5, die im Dezember dieses Jahres eröffnet wird. Ein wichtiger Termin! Das östliche Stadtzentrum, Mitte und Friedrichshain, Lichtenberg und Hellersdorf haben dann direkten U-Bahn-Anschluss an die Europacity. Auch verschiedene Trams und Busse machen im Süden der Europacity halt. Die Buslinien M85 und M41 etwa, echte „Klassiker“ für Berlinkenner, kommen aus dem Süden Berlins. Der eine fährt von Lichterfelde über Steglitz, Friedenau und Schöneberg nach Tiergarten, der andere vom südlichen Neukölln über Kreuzberg und den Potsdamer Platz. Für beide ist der Hauptbahnhof die Endhaltestelle. Wer von Norden oder Osten anreist, wird andere Verbindungen nutzen können. Mit den nunmehr bald drei Brückenbauten über den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal – ganz im Norden gibt es noch die auch für Pkws nutzbare Brücke über den Nordhafen – ist die Europacity auch von dort gut zu erreichen. Von den U-Bahnhöfen Wedding, Reinickendorfer Straße und Schwarzkopfstraße der Linie U8 werden es jeweils nur ein paar Gehminuten bis zu den Brücken sein.

Mai 2021 | Magazin #8

Die neue Ausgabe ist da

Drei Architekten dreier ganz unterschiedlicher Gebäude in der Europacity äußern sich zu ihren Projekten und zum Quartier. Weitere Themen im Heft: Der Otto-Weidt-Platz mit neuer Brücke nimmt Gestalt an, und südlich des Hauptbahnhofs regt sich neues Leben. Weiterlesen

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